Hüttental Express

Nachrichten aus unserem Viertel

In unserer aktuellen Ausgabe des Hüttental Express geht es um das Ende einer Ära, wir gehen mit Kindern der Albert-Schweitzer-Schule auf Weltreise und schauen in die Vergangenheit des Hüttentals.

Wir wünschen viel Spaß beim Schmökern...

Eine Tradition geht zu Ende.

Der Schützenverein Klafeld-Geisweid löst sich auf.

Am 27. Oktober 1882 wurde der „Schützenverein zu Clafeld“ gegründet, 1913 umbenannt in „Schützenverein Klafeld-Geisweid“. Damals stand noch nicht der Sport im Vordergrund. In dem jungen Nationalstaat hatten Schützenvereine vor allem eine politische Funktion, sie dienten dazu, „durch regelmäßige Schießübungen … die Wehrkraft des deutschen Volkes  zuerhöhen.“ (§1 der Vereinssatzung von 1889) <erst nach dem zweiten Weltkrieg ging es nur noch um den Sport. Der erste Schießstand war an der Sohlbacher Straße, da wo sich heute das Ehrenmal befindet. Die ersten Versammlungen fanden im Haus des Vorsitzenden Carl Porr statt. Dabei wurden auch Getränke ausgeschenkt, leider ohne Schankerlaubnis. Deshalb ordnete die Amtsverwaltung am 6. März 1900 die polizeiliche Schließung sowie die Beschlagnahme der Getränke und Schankutensilien an. Nach wechselnden Orten und einer kriegsbedingten Pause wurde 1921 beschlossen, im Hüttental ein Schützenhaus mit Scheibenstand zu errichten. Es ist jetzt ein Wohnhaus in der Zeppelinstraße (früher Schützenstraße) Ecke Gerberstraße, die erst in den 1930ern angelegt wurde (siehe Siedlungsbau im letzten Heft). Der Höhepunkt des Vereinslebens war das jährliche Schützenfest, bei dem der Schützenkönig ermittelt wurde. Aber der Verein nahm auch an vielen Schießwettbewerben teil, oft mit Erfolg. Und es gab das Ostereierschießen, bei dem allerdings nicht auf Eier geschossen wurde – jeder Schuss ins Schwarze brachte ein Ei. Eine wesentliche Veränderung des Vereinsgeschehens ergab sich aus der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933. Die SA nutzte den Schießstand für ihre Zwecke, der Vorsitzende des Schützenvereins wurde in Vereinsführer umbenannt. Die Vereinstätigkeit erlahmte in der Folge und wurde mit Kriegsbeginn 1939 ganz eingestellt. Nach dem 2. Weltkrieg untersagten die Besatzungsmächte die Nutzung der Schießstände, erst 1957 gab es eine Vereinsversammlung, die den Schützenverein wiederbelebte. Das Schützenfest 1958 war ein voller Erfolg, das Festzelt auf dem Klafelder Markt war an allen drei Tagen mit 1500 Personen voll besetzt. An dem Festzug am Sonntag nahmen die Klafelder Vereine und viele Nachbar-Schützenvereine teil. Es stellte sich die Frage nach einem neuen Schützenhaus. Das alte war schon lange verkauft und wäre auch zu klein gewesen. 1967 wurde der Neubau am oberen Ende der Gerberstraße mit dem Schießstand fertiggestellt. Das Haus konnte auch für Feierlichkeiten gemietet werden, regelmäßig fanden hier vor allem Familienfeiern statt. Ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte war die Feier zum 100-jährigen Bestehen. Am Samstag, dem 28.08.1982 fand das Königsschießen auf dem Klafelder Markt statt. Ein Wochenende später wurde vier Tage lang von Freitag bis Montag im Festzelt am Schützenhaus gefeiert.Aber wie viele Vereine hatte auch der Schützenverein mit dem geänderten Freizeitverhalten zu kämpfen. Die Mitgliederzahlen schrumpften, es fehlte der Nachwuchs. Der Verein kann von den wenigen, die noch Mitglied sind, nicht aufrecht erhalten werden. Deshalb die traurige Konsequenz - zum Ende 2024 wird der Verein aufgelöst. Wie es mit dem Schützenhaus weiter geht, ist noch offen. Wir werden darüber berichten.

Festzug 1929 vom Schützenhaus in der Schützenstraße (heute Zeppelinstraße) zum Klafelder Markt.

Aus Syrien ins Hüttental.

Die Einwanderung nach Deutschland ist so alt wie die Nation selbst. Die ersten Migranten kamen aus Polen, dort gab es wenig Arbeit. Vor allem im Ruhrgebiet fehlten Arbeitskräfte. Das erkennt man heute nur noch an den polnischen Familiennamen. Weiter ging es in den 1950er Jahren, Deutschland warb um Gastarbeiter, zunächst in Italien, später auch in Spanien, Griechenland, der Türkei und anderen Ländern. Weder Deutschland noch die Menschen selbst dachten an eine dauerhafte Bleibe, doch mittlerweile sind viele in der dritten Generation hier und besitzen die deutsche
Staatsbürgerschaft. Erst in letzter Zeit spielen politische Gründe eine Rolle. Aktuell kommen Migranten aus der Ukraine, aber seit 2015 / 2016 machen sich auch viele andere auf den Weg Richtung Europa . Darunter Aras mit ihren Söhnen Ivan und Jan, damals 4 und 7 Jahre alt. In Syrien tobt der Bürgerkrieg. Die Perspektive, dort Kinder groß- zuziehen macht Angst, man muss immer mit dem Schlimmsten rechnen. Ihre Schwester lebt bereits in Deutschland, also machen sie sich auf den Weg. Die türkische Grenze überqueren sie nachts zu Fuß, was wegen der Grenzpatrouillen nicht ungefährlich ist. Weiter geht es mit dem Auto nach Izmir. Die schriftliche Einladung ihrer Schwester liegt vor, trotzdem dauert es noch drei Monate, bis alle nötigen Papiere zusammen sind und sie nach Deutschland fliegen können. Aras will niemandem auf der Tasche liegen, sondern ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Die Anpassungsschwierigkeiten waren zunächst groß. Die Kinder haben einige Zeit gebraucht, bis sie angstfrei draußen spielen konnten, das kannten sie vorher nicht. Das größte Problem war die Sprache, doch nicht das einzige; auch kulturelle Unterschiede mussten überwunden werden. So erzählt Aras von einem Erlebnis an einer Bushaltestelle. Neben ihr und ihrem Sohn wartete eine Frau mit Hund. Der Sohn hatte eine Tüte Chips und dem Hund davon was zukommen lassen. Das ist in Syrien üblich, man gibt Hunden und Katzen auf der Straße etwas ab. Die Frau jedoch war sehr erbost, Chips sind keine Hundenahrung, und hat den Sohn beschimpft, der nur die besten Absichten hatte. Diese Startschwierigkeiten haben sich mittlerweile gelegt. Für die Söhne ist Deutsch zur ersten Sprache geworden, auch Aras hat keine Sprachprobleme mehr. Und fremde Hunde oder Katzen werden nicht mehr gefüttert. Die Familie ist hier angekommen. Aras arbeitet als Erzieherin bei der Betreuung und Förderung von Kindern im Vorschulalter. Jan besucht das Gymnasium in der 10. Klasse, Ivan die 
7. Klasse der Realschule. Der Antrag auf die deutsche Staatsbürgerschaft ist gestellt. Insgesamt sind die drei dankbar und zufrieden, im Hüttental eine neue Heimat gefunden zu haben - dankbar für die Hilfe und Unterstützung, die sie erfahren haben, zufrieden, weil sie in Sicherheit leben und ohne Angst schlafen können. Ihnen ist es gelungen sich zu integrieren ohne ihre Identität aufzugeben.

Aras und ihr Sohn Ivan zu Hause.

Besuch des Heimathauses Klafeld

Klein, aber fein - das ist das Heimathaus Klafeld in der Sedanstraße 3 in der Nähe des Klafelder Marktes. Gezeigt werden Alltagsgegenstände von früher, aber auch Bilder und Plastiken von Künstlern mit regionalem Bezug. Die Stadtteilkonferenz hat eine Führung organisiert, durchgeführt von Traute Fries, Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins Hüttental und ein wandelndes Lexikon in Heimatgeschichte. Sie wusste die Geschichten um die Exponate sehr lebendig darzustellen. Aber auch das leibliche Wohl kam nicht zu kurz, es gab Kaffee und Waffeln.
Der Besuch hat sich gelohnt!

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